
FAQ // Frequently Asked Questions
Sämtliche, aller bisher veröffentlichten, häufig gestellten Fragen als Zusammenfassung in einer PDF-Datei
Neben- und Wechselwirkungen
Der Begriff ist der sogenannten Jarisch-Herxheimer-Reaktion entlehnt und hat sich im Verlauf der Anwendung von Nikotinpflastern gegen PAIS etabliert.
Formal ist die Bezeichnung allerdings nicht ganz richtig, da die Herxheimer-Reaktion eine entzündliche Reaktion des Organismus zu Beginn einer erfolgreichen Antibiotika-Therapie ist, die durch den Zerfall der behandelten Bakterien hervorgerufen wird.
Bei der Bekämpfung von PAIS werden die Viruspartikel durch Verdrängung aus der Azetylcholin-Rezeptorbindung in die Blutbahn eingeschwemmt und bewirken zunächst eine Verschlechterung der Symptome, die sich wie eine milde Infektion anfühlen kann.
Der Hypothese folgend kann eine unterschiedliche Anzahl nikotinischer Azetylcholin-Rezeptoren (nAChR) viral blockiert sein. Demnach kann eine Herx-Reaktion sowohl in Bezug auf die Stärke als auch hinsichtlich der Dauer unterschiedlich ausfallen.
Zudem kann es unter Umständen zu einer Überlagerung der Symptome einer Herx-Reaktion mit Nebenwirkungen von Nikotin kommen, was im Einzelfall schwer voneinander zu trennen ist.
Diese Verschlechterung kann nicht nur zu Beginn der Therapie, sondern auch zu jedem Zeitpunkt des Behandlungsverlaufes auftreten (immer dann, wenn neue Spike-Proteine aus der Rezeptorbindung gelöst und in die Blutbahn eingeschwemmt werden).
Falls es Stoffe gibt, die Viren binden und deren Ausscheidung beschleunigen können, ist deren Einnahme parallel zur Nikotinanwendung nicht schädlich, aber auch nicht besonders sinnvoll.
Gegebenenfalls ließe sich mit der Einnahme derartiger Ergänzungsmittel die Stärke der sogenannten „Herx-Reaktion“ reduzieren.
Andererseits hat die Reduktion der Viruslast aber möglicherweise auch eine verzögerte Immunantwort zur Folge, was die Vernichtung der Viruspartikel beeinträchtigen könnte.
Allergische, eher allergieähnliche, intolerable Hautreaktionen sind ein seltenes und leider nicht leicht zu lösendes Problem. Meist werden sie durch den Klebstoff oder die Nikotinträgersubstanz hervorgerufen.
Derzeit wird als Empfehlung ausgesprochen, dass man lokal unmittelbar vor Aufbringen des Pflasters an der geplanten Stelle einen Histaminblocker (z. B. Fenistil-Gel) aufbringt und vollständig einziehen lässt.
Darüber hinaus sollte man noch vor Ablauf der 24 Stunden Klebezeit (möglicherweise mehrmals täglich) unter erneuter vorheriger Anwendung des Histaminblockers die Klebestelle wechseln.
Ob das am Ende immer zum vollständigen Vermeiden der Hautreaktionen führen kann, ist derzeit nicht bekannt.
Eventuell kann auch ein Wechsel des Präparates sinnvoll sein.
Nikotinpflaster sind selbst relativ nebenwirkungsarm. Das enthaltene Nikotin kann jedoch vereinzelt Übelkeit hervorrufen, zu gesteigerter Darmaktivität, seltener zu Erbrechen und zu Schlafstörungen (lebhafte Träume) führen. Dies insbesondere, weil PAIS-Betroffene nahezu ausschließlich nikotinnaiv sind.
Gelegentlich wird auch von Brustenge, Kopfschmerzen und Schwindel berichtet. Diese Nebenwirkungen treten nicht regelhaft auf und klingen in aller Regel nach wenigen Tagen ab.
Die Klebestelle sollte täglich gewechselt werden, da es in seltenen Fällen zu allergieähnlichen Hautreizungen mit einem Ausschlag an der Pflasterstelle kommen kann – diese lassen sich jedoch meist recht zügig mit Entfernen des Pflasters wieder abmildern.
Bislang sind keine relevanten Wechselwirkungen von reinem Nikotin mit anderen Medikamenten nachgewiesen. Nur die Substanzen Tranylcypromin und Methoxsalen können den Abbau von Nikotin in der Leber verzögern.
Von einer gleichzeitigen Einnahme von Mestinon (Pyridostigmin) und anderen Cholinesterase-Hemmern bei der Bekämpfung von PAIS mit Nikotinpflastern ist allerdings dringend abzuraten, weil dies in Einzelfällen eine cholinerge Krise hervorrufen kann.
Wegen des Mastzellaktivierungssyndroms (MCAS) müssen viele PAIS-Betroffene Antihistaminika einnehmen. Da diese anticholinerg wirken, stellt sich die Frage, ob Antihistaminika die Wirkung der Nikotinpflaster-Therapie beeinträchtigen.
Antihistaminika unterbinden durch eine Blockade von H1-Rezeptoren an Mastzellen die Freisetzung von Histamin.
Da diese H1-Rezeptoren zur selben Rezeptor-Familie (G-Protein-gekoppelte Rezeptoren – GPCRs) gehören wie muskarinerge – nicht nikotinerge – Azetylcholin-Rezeptoren (mAChRs), kann eine unspezifische GPCR-Blockade durch Antihistaminika auch zu einer mAChR-Blockade führen.
Das bedeutet, dass die Azetylcholinwirkung an muskarinergen Rezeptoren beeinträchtigt ist (anticholinerge Wirkung), was sich z. B. durch Mundtrockenheit und Schläfrigkeit äußert.
Hinsichtlich der Azetylcholinwirkung an nikotinergen Rezeptoren besteht dahingehend keine Beeinträchtigung durch Antihistaminika. Darüber hinaus sind H1-Antihistaminika der Neuen Generation (CONGA) hochselektiv für H1-Rezeptoren und damit nicht generell (mAChRs) anticholinerg wirksam.